Kein anderes heimisches Tier verändert seine Umwelt so stark wie der Biber. Er fällt Bäume, staut Bäche und schafft damit Lebensräume, von denen unzählige andere Arten profitieren. Ihn vor die Linse zu bekommen, verlangt jedoch eines ganz besonders: Geduld in der Dämmerung.
Im letzten Licht
Biber sind dämmerungs- und nachtaktiv. Mein Ansitz beginnt, wenn andere längst zusammenpacken. Ich sitze regungslos am Ufer, der Wind kommt mir entgegen, und warte auf das leise Platschen, mit dem sich ein Biber ins Wasser gleiten lässt. Im letzten warmen Licht zieht er dann seine Bahnen, nur Kopf und Rücken über der spiegelglatten Fläche.
Fotografisch ist das eine Herausforderung: wenig Licht, ein bewegtes Motiv und Spiegelungen, die täuschen. Eine ruhige Hand, hohe Lichtempfindlichkeit und das Wissen, wo der Biber gleich auftauchen wird, sind entscheidend.
Ein Gewinn für alle
Wo Biber wirken, entstehen Feuchtgebiete, Totholz und neue Ufer. Libellen, Amphibien und Wasservögel siedeln sich an. Der Biber ist damit weit mehr als ein einzelnes Motiv, er ist der Architekt einer ganzen Lebensgemeinschaft. Genau das versuche ich mit meinen Bildern zu erzählen, jenseits des niedlichen Einzelporträts.
Wenn die Nacht hereinbricht und der Biber lautlos im Schilf verschwindet, bleibt das gute Gefühl, einem heimlichen Heimkehrer für einen Moment ganz nah gewesen zu sein.