Viele denken bei Wildtierfotografie zuerst an die Kamera. Für mich aber beginnt jede gelungene Aufnahme mit einem ganz anderen Werkzeug: dem Fernglas. Es ist die Verlängerung meiner Augen und entscheidet oft, ob ich ein Tier überhaupt entdecke, lange bevor ich an den Auslöser denke.
Erst sehen, dann fotografieren
Stundenlang Hänge, Waldränder und Felder abzusuchen, das nennt man Spektieren. Ein gutes Fernglas zeigt mir die Gämse am fernen Grat, das Reh im Schatten der Hecke oder den Greifvogel auf dem Ansitzbaum. Erst wenn ich das Tier gefunden und sein Verhalten eine Weile beobachtet habe, plane ich meine Annäherung mit der Kamera. So störe ich weniger und bin im richtigen Moment vorbereitet.
Worauf es ankommt
Zwei Zahlen stehen auf jedem Fernglas, etwa 8x42 oder 10x42. Die erste ist die Vergrößerung, die zweite der Objektivdurchmesser. 8-fach bietet ein ruhigeres, helleres Bild und ein größeres Sehfeld, ideal für den Wald. 10-fach holt mehr heran, verlangt aber eine ruhigere Hand und ist im Gebirge im Vorteil. Ein Durchmesser von 42 mm ist der bewährte Kompromiss aus Lichtstärke und Gewicht.
Wichtiger als jede Zahl ist die Qualität des Glases. Ein hochwertiges Fernglas zeigt auch in der Dämmerung noch ein helles, kontrastreiches Bild, genau dann, wenn das Wild aktiv wird. Lieber einmal in gutes Glas investieren, das über Jahrzehnte hält, als ständig nachzurüsten. Mein Fernglas habe ich immer griffbereit, oft noch vor der Kamera.