Das richtige Objektiv

Welche Brennweite für welches Tier

Detailaufnahme eines Waldkauzes mit langer Brennweite

Kein Ausrüstungsteil wird mir so oft genannt wie das Objektiv. Zu Recht: In der Wildtierfotografie ist es die entscheidende Verbindung zwischen mir und einem Tier, das ich aus Respekt niemals zu nah herankommen lassen würde. Doch das teuerste Glas ist nicht automatisch das richtige.

Die Brennweite

Für scheues Wild wie Reh, Hirsch oder Greifvögel führt an langen Brennweiten kein Weg vorbei. Alles ab 400 mm bringt das Tier formatfüllend ins Bild, ohne dass ich seine Fluchtdistanz unterschreite. 500 oder 600 mm sind ideal, aber schwer und teuer. Für größere, weniger scheue Tiere oder Szenen im Lebensraum reichen oft schon 300 mm.

Mein meistgenutztes Werkzeug ist ein flexibles Telezoom, etwa 200 bis 600 mm. Es erlaubt mir, vom Porträt bis zur Lebensraumaufnahme schnell zu reagieren, ohne das Objektiv zu wechseln und damit Bewegung und Geräusch zu riskieren.

Lichtstärke und Schärfe

Wildtiere sind am aktivsten in der Dämmerung, also genau dann, wenn das Licht knapp wird. Eine hohe Lichtstärke (kleine Blendenzahl) erlaubt kürzere Verschlusszeiten und eine schöne Freistellung vom Hintergrund. Eine lichtstarke Festbrennweite ist hier jedem Zoom überlegen, in Schärfe wie in Bokeh, dafür unflexibel und kostspielig.

Mein Rat: Die schärfsten Bilder entstehen nicht durch das teuerste Objektiv, sondern durch saubere Technik. Ein stabiler Bohnensack, eine an die Brennweite angepasste Verschlusszeit und der Fokus exakt auf dem Auge bringen mehr als jeder Datenblattwert. Und ein Objektiv, das man bequem tragen kann, ist immer besser als eines, das zu Hause bleibt.

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