Kaum ein Tier umgibt so viel Mystik wie die Eule. Lautlos, mit großen dunklen Augen und einem Blick, der durch einen hindurchzugehen scheint. Wer Eulen fotografieren will, muss vor allem eins lernen: Stillsein und Zuhören.
Den Waldkauz finden
Der Waldkauz verrät sich oft zuerst durch seinen Ruf und das langgezogene Heulen in lauen Winternächten. Tagsüber döst er gern an immer denselben Plätzen: in alten Baumhöhlen, an geschützten Stämmen, manchmal mitten im Geäst. Habe ich einen solchen Schlafbaum gefunden, halte ich Abstand und fotografiere mit langer Brennweite. Eine ausgeruhte Eule ist mir wichtiger als ein Bild.
Das warme Braun seines Gefieders kommt am schönsten im weichen Licht der Dämmerung zur Geltung. Hartes Mittagslicht zerstört die feine Zeichnung – die blaue Stunde dagegen lässt das Tier förmlich leuchten.
Der kleine Bruder
Der Steinkauz ist nur faustgroß und ein echter Kulturfolger: Streuobstwiesen, alte Kopfweiden und Feldscheunen sind sein Zuhause. Mit seinem flachen Kopf und den gelben Augen wirkt er fast streng. Ich liebe es, ihn am späten Nachmittag auf einem knorrigen Ast zu beobachten, wenn er den ersten Mäusen des Abends auflauert.
Eulen zu fotografieren heißt, ihren Rhythmus zu respektieren. Ich nutze kein Blitzlicht, locke nicht mit Klangattrappen und halte Brutplätze geheim. Der schönste Lohn ist nicht das Bild, sondern dieser stille Augenblick, in dem ein Waldkauz die Augen öffnet und einen direkt ansieht.