Im Reich von Gams und Steinbock

Wildtierfotografie im Hochgebirge

Gämse an einem steilen Berghang

Während im Tal noch Nebel liegt, beginnt oben am Grat bereits der Tag. Wildtierfotografie im Hochgebirge ist anstrengend, unberechenbar – und für mich die ehrlichste Schule, die es gibt. Hier zählt nicht nur das Auge, sondern auch die Kondition.

Schwindelfreie Künstler

Der Steinbock ist ein Phänomen. Massig und doch trittsicher klettert er über Felsen, an denen jeder Mensch scheitern würde. Mit etwas Glück findet man ihn am frühen Morgen auf einem Felsvorsprung, das mächtige Gehörn scharf gegen den blauen Himmel. Solche Bilder muss man sich erarbeiten – meist nach Stunden des Aufstiegs.

Die Gämse dagegen ist die nervösere von beiden. Sie äugt ständig, wittert die kleinste Veränderung und flüchtet bei Gefahr in atemberaubendem Tempo den Steilhang hinauf. Wer sie fotografieren will, muss sich langsam und mit dem Wind nähern und vor allem viel Zeit mitbringen.

Respekt vor dem Berg

Die Berge verzeihen keine Eile. Ich plane jede Tour mit Blick auf Wetter und Licht, bin früh unterwegs und kehre lieber ohne Bild um, als ein Risiko einzugehen. Das Wild im Hochgebirge ist an Menschen kaum gewöhnt – umso wichtiger ist es, Distanz zu halten und die Tiere nicht in gefährliches Gelände zu treiben.

Wenn dann am Abend die letzten Sonnenstrahlen die Felswände in warmes Gold tauchen und eine Gämse ruhig über den Hang zieht, weiß ich wieder, warum ich den weiten Weg auf mich genommen habe.

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