Winter im Revier

Wenn die Spuren sprechen

Wildschweine im winterlichen Wald

Der Winter ist die ehrlichste Zeit im Revier. Schnee verrät jede Bewegung, die in der Nacht geschah. Wer Fährten lesen kann, dem erzählt eine verschneite Lichtung am Morgen die ganze Geschichte: Wer hier zog, wann, in welche Richtung und wie eilig.

Die Sprache der Fährten

Bevor ich überhaupt die Kamera hebe, lese ich den Boden. Die spitzen Schalenabdrücke des Rehwilds, die rundlichen des Schwarzwilds, die typischen Trittsiegel von Fuchs oder Hase. Aus Fährten, Losung und Wechseln entsteht ein Bild davon, wo sich das Wild aufhält, ohne dass ich es überhaupt gesehen habe. Dieses Wissen führt mich am nächsten Morgen an den richtigen Ansitz.

Licht und Kälte

Verschneite Landschaften sind fotografisch heikel. Der Schnee trügt die Belichtung, alles droht grau zu werden. Ich belichte bewusst etwas heller, damit der Schnee weiß bleibt. Das weiche, tief stehende Winterlicht aber ist ein Geschenk: Es legt sich golden über Muffelwild am Hang oder eine Rotte Schwarzwild, die durch den Pulverschnee bricht.

Die Kälte fordert ihren Tribut, an Fingern, Akkus und Geduld. Doch kaum eine Jahreszeit ist so stimmungsvoll. Wenn der Atem des Wildes in der eisigen Luft sichtbar wird, ist jede durchgefrorene Stunde vergessen.

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